
Tally, die Ankunft
Ich liege hier mit meinem Bruder Kalle nach einem sportlichen Nachmittag im gemütlichen Wohnzimmer auf dem Sofa, wir kabbeln noch ein wenig miteinander herum, aber eigentlich ist jetzt die Zeit für einen geschwisterlichen Plausch.
Von einer schmackhaften Abendmahlzeit gestärkt gehen die Gedanken zurück.
Vor einer Woche wurden meine sonst eher lethargischen Menschen ganz aufgeregt, sogar aufgeräumt haben sie. Dann erklang die Türklingel, also war Arbeit angesagt, aber vor dem Tor stand nicht etwa der Postbote, sondern mein Bruder Timbo. Seit über einem Jahr hatten wir uns nicht mehr gesehen...
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...doch wir erkannten uns sofort. Bei einem Spaziergang konnten wir uns so richtig austoben und die familiären Bande auffrischen. Timbo heißt jetzt Kalle und hat ein Zuhause bei sehr freundlichen Menschen gefunden.
Nach einem aufregenden Nachmittag mußte er allerdings wieder fort. Wir vereinbarten das er mich am kommenden Wochenende erneut aufsuchen sollte und sogar die Nacht bei mir und meiner Familie verbringen.
Heute ist er wieder da und nachdem wir alle einen Ausflug zum Ballsport im Luch gemacht haben, verabschiedeten sich seine Menschen mit dem Versprechen morgen wieder zu kommen.
Kurz darauf besuchte uns meine Patin Elena. In diesem Land scheint es üblich, daß neu ankommende Hunde ein Begrüßungskind, auch Patin genannt, zugewiesen bekommen.
Ich habe es dabei besonders gut getroffen, doch davon später mehr. Hört nun von unseren Abenteuern.
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An meine frühste Jugendzeit habe ich nur noch wenige Erinnerungen. So weiß ich noch, dass meine Mutter eine Zeit bei mir war und sich um mich gekümmert hat. Auch an meine beiden Geschwister kann ich mich noch erinnern. Wir lebten in recht bescheidenen Verhältnissen und nachdem uns Mutter verlassen hatte, beschlossen wir unserer Leben selbst in die Pfote zunehmen. Bald schon stand unser Plan fest. Wir wollten auswandern und in der Ferne unser Glück suchen getreu dem Motto „Etwas Besseres als den Tod findest du allemal“. Nachdem der Plan gefasst war setzten wir in auch gleich in die Tat um. Wir wandten uns an die Menschen, die uns bereits jetzt liebevoll mit Futter und einem Dach über dem Kopf versorgten. Tatsächlich schien es eine Möglichkeit zu geben. Wir veröffentlichten unsere Profile auf der Webseite einer Vermittlungsagentur für Hunde und harrten der Dinge. Schon bald wurde unser Traum wahr. Wir fanden Unterkunft mit Verpflegung in einem fernen Land. Auch die Reise sollte uns nichts kosten. Der einzige Wermutstropfen war, wir würden uns trennen müssen. Der Tag meiner Abreise nahte. Vorher musste ich noch einige Prozeduren über mich ergehen lassen. Das Ziel immer vor Augen ließ ich mich begutachten, pieken und sogar baden. Dann war es soweit. Der Tag der Abreise. Mit klopfendem Herzen und all meinem Mut startete ich in ein neues Leben. Nach endlosen Gerüttel in einer kleinen Reisekabine, merkwürdigen Geräuschen und größer werdenden Hunger erblickte ich wieder Tageslicht. Ich war angekommen, dachte ich. Hier sollte ich nun meine neuen Menschen das erste Mal zu Gesicht bekommen. Zuerst einmal raus aus der Reisebox. Kaum hatte ich festen Boden unter den Füssen wurde ich ergriffen und neu eingekleidet. In lila, nun ja! |
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Nach einem kleinen Abendsnack (Huhn mit Reis) und nachdem meine Menschen etwas mit den Ankunftsteam von „Hundeliebe - grenzenlos“ geplaudert hatten, herrschte auf einmal wieder Aufbruchsstimmung.
Ich war müde und hatte vom Reisen erstmal die Schnauze voll. Doch mein treuherzigster Blick half nichts. Zusammen mit meinen Menschen verließen wir das Gebäude, um kurz darauf in ein anderes Gefährt zu steigen. Wenigstens war es hier bequemer als vorher. Ich hatte ein eigenes Bett und einer meiner neuen Menschen setzte sich neben mich um mich ab und zu streicheln.
Irgendwann hielten wir an und die Menschen wechselten ihre Plätze. Ich nutze die Zeit um aus dem Fenster zu schauen und sah „Nichts“. Alles war in eine graue, wabernde Masse gehüllt.
Sollte so mein neues Zuhause aussehen nachdem ich so viel durchgestanden hatte? Die Menschen sagten etwas von Nebel und langsam fahren, ich schlief wieder ein.
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Erneut hielten wir an, ich hörte das Geklapper von Türen. Dann öffnete sich auch meine Tür und ich wurde auf festen Boden gesetzt. Endlich!
Doch die Freude darüber währte nicht lange. Kaum hatte ich mich etwas umgesehen, noch war es stockdunkel, fiel mein Blick auf ein riesiges schwarzes Monster mit ebenso riesigen Zähnen. War dies das Ende meiner beschwerlichen Reise?
Dann hörte ich des Monsters Stimme: Ich bin Banja, ein Hovawart.
Meine Aufgabe ist es hier alles in Ordnung zu halten und zu beschützen. Was willst du hier?
Bevor ich antworten konnte wurde Banja von den Menschen in ein Gespräch verwickelt. Mit klopfenden Herzen vernahm ich Bruchstücke des Gesprächs, wie: neuer Mitbewohner, lange Reise und kümmern...
Dies schien das Monster milde zu stimmen und ich betrat zum ersten Mal mein neues Zuhause.
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Viel habe ich nicht mitbekommen. Meinen Augen fielen schon von alleine zu und ich sehnte mich nach einer ruhigen Schlafstatt.
Nach einem kleinen Abendsnack und einer kurzen Besichtigung der Außenanlagen ging es ein Stockwerk höher. Hier schien die Schlafstätte meiner neuen Familie zu sein. Zu meinem Erschrecken auch die von Banja. Ihr erinnert euch groß, schwarz, riesige Zähne?
Mein neues Bett war inzwischen bereits nach oben gebracht worden. Das Licht ging aus und mir wurde unheimlich. Alles war neu, meine Geschwister fehlten mir und wie konnte es auch anders sein, Banja schnarchte. Leise wimmerte ich vor mich hin.
Meine Menschen hatten wohl Mitleid mit mir oder fanden nur mein Gewimmer störend, jedenfalls wurde ich aus meinem Bett gehievt und durfte bei den Menschen schlafen. Dankbar legte ich meinen Kopf auf die Schulter meines Herrchens und stellte Erstaunliches fest. Kaum hatte ich mich richtig angekuschelt fiel mein Mensch in eine Art Schockstarre. Aber egal, ich schloß die Augen und schlief ein. Die Erzählungen haben mich nun auch erschöpft und ich werde mich ein wenig zur Ruhe begeben.
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Tally – Bericht von Patin Elena (9 Jahre) Als ich das blonde Mädchen mit dem Pferdeschwanz das erste Mal sah und sie roch, kam mir ihr Geruch rätselhaft bekannt vor. Erst wusste ich nicht mehr, von wo. Aber dann wurde mir klar, dass ich diesen Geruch schon mal am Flughafen gerochen hatte, als ich von meinen Menschen abgeholt wurde. |
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Immer mal wieder besuchen mich auch Menschen aus Elenas anderem Rudel: 2 große und 2 kleine. Sie spielen auch mit mir und gehen mit mir spazieren und manchmal passt die große Frau zusammen mit Elena auf mich auf, wenn meine Menschen unterwegs sind.
Eines Tages wollten meine Menschen und Elena „Gassi gehen“ und mir dazu etwas komisches anlegen. Erst wollte ich nicht, aber dann überzeugten sie mich mit Streicheleinheiten und Leckerlis. Ich begriff: Es war so weit. Ich würde mein Zuhause zusammen mit ihnen verlassen.
Ich wusste nicht, was uns erwarten würde, aber ich hoffte Gutes. Als wir losgegangen waren, erwartete mich eine fremde Welt. Ich hatte so viel zu schnüffeln! Ich weiß nicht, wie lange unsere Entdeckungstour ging, aber zum Glück fanden meine Menschen den Weg zurück nach Hause, super!
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Mit der Zeit machten wir solche Ausflüge öfter und manchmal kam auch Hundechef Banja mit. Das fand ich besonders toll! Und auch die vielen Spiele, die besonders Patin Elena mit mir machte, fand ich super: Verstecken, Ballspielen, Wettrennen, Strohballen-Hüpfen-mit-Streicheleinheit-obendrauf. Irgendwann musste ich wieder in ein Gefährt einsteigen. Auf der Fahrt hatte ich noch ein wenig Angst, aber ich wurde von meiner Patin gekrault, so dass ich wusste, dass nichts Schlimmes passieren kann. Und außerdem war einer meiner Menschen mit. Das fand ich super! Als ich ankam war alles fremd und es waren noch einige andere Hunde mit ihren Menschen da. Ich fand das ein wenig unheimlich und blieb erstmal nah bei meinen Leuten. Als sie mich von meiner Leine ließen beschloss ich jedoch, mich dem ausgelassenen Toben der anderen Hunde anzuschließen. Was für ein Spaß! Ab und zu wurde es mir zu wild und ich kehrte zu meinen Menschen zurück. Doch dann war das Toben auch schon vorbei und alle Hunde mussten zu ihren Menschen gehen. Die riefen uns so komische Worte zu wie „Hier“ oder „Sitz“ und meine Patin guckte mich dabei mit großen Augen an. Anfangs war ich total ahnungslos, was ich denn jetzt tun sollte. Aber dann verstand ich, dass ich zu ihr kommen und mich hinsetzen sollte. Das Tollste war, dass ich dafür Leckerlis gekriegt habe :-). Nach einiger Zeit sprangen alle wieder in die Gefährte und auch ich sprang mit meinen Menschen in unser Gefährt. War ja alles gar nicht so schlimm… Trotzdem war ich super froh, als ich zu Hause wieder rausspringen und zu Banja und meinem zweiten Menschen laufen konnte. Hier erwartete mich ein Festmahl zur Belohnung! Diese Ausflüge machten wir jetzt öfter und Worte wie „Hier“, „Sitz“, „Platz“ und „Fuß“ hörte ich jetzt regelmäßig. Doch irgendwann hörten die Fahrten zum „Hier-Sitz-Platz-Fuß-Ort“ auf. Stattdessen spielten wir jetzt auf unseren Spaziergängen das „Hier-Sitz-Platz-Fuß-Spiel“ – zum Glück auch mit Leckerlis. |
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